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82, Schriften aus dem MPI für Gesellschaftsforschung
Privatverschuldung in Deutschland
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Schriften aus dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln

Die letzten Jahrzehnte waren vielerorts durch einen außerordentlichen Anstieg privater Verschuldung gekennzeichnet, der nicht nur Wachstum und Wohlstand produzierte, sondern auch in die sozialen und ökonomischen Verwerfungen der Finanzkrise mündete. In Deutschland meint man, von diesem "Pumpkapitalismus " nur wenig zu spüren, denn die historisch eigentümliche Schuldendynamik führte in den 2000er-Jahren zu stagnierenden und im internationalen Vergleich geringen Schuldenquoten. Daniel Mertens entwirft das Bild einer gedämpften Finanzialisierung in der vom Export und Sparen geprägten deutschen Ökonomie.
Schriften aus dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln
Inhalt


Vorwort ...9



Kapitel 1

Einleitung: Privatverschuldung als Gegenstand der Politischen Ökonomie ...11



1.1 Methodik und Aufbau des Buches ...24

1.2 Das Argument in Kürze ...30



Kapitel 2

Vielfalt - Einheit - Stabilität - Wandel: Zum Theorierahmen der Vergleichenden Kapitalismusforschung ...33



2.1 Institutionen, Regime, Kapitalismus ...34

2.2 Régulation und Spielarten des Kapitalismus: Zwei Forschungsansätze ...37

2.3 Stabilität und Wandel von Institutionen ...46

2.4 Finanzialisierung als fortwährender Transformationsprozess ...51

2.5 Synthese: Pfade der Finanzialisierung im globalen Kapitalismus ...59



Kapitel 3
Die institutionellen Grundlagen privater Verschuldung ...61



3.1 Kredit und Institutionen im gegenwärtigen Kapitalismus ...61

3.2 Ursachen und Bedingungen kreditbasierter Finanzialisierung ...70

3.2.1 Finanzsystem und Bankwesen ...72

3.2.2 Währungs- und wirtschaftspolitisches Regime ...85

3.2.3 Arbeitsmarkt und Einkommensverteilung ...95

3.2.4 Wohlfahrtsstaat ...103

3.2.5 Wohnungsmarkt ...119

3.3 Synthese: Ein Analyserahmen für Kreditbeziehungen ...130



Kapitel 4

Privatverschuldung im deutschen Export-Spar-Regime ...135



4.1 Das deutsche Export-Spar-Regime ...135

4.2 Der Kredit für Konsum und Wohnen in historischer Perspektive ...141

4.3 Anatomie der Privatverschuldung und Entwicklung seit den 1970er-Jahren ...153



Kapitel 5

Der private Kredit zwischen Liberalisierung und Bewahrung des deutschen Finanzsystems ...165

5.1 Logik und Struktur des deutschen Bankwesens ...166

5.2 Deregulierung und Liberalisierung im deutschen Finanzsektor ...173

5.3 Institutionelle Praxis der Verbraucherfinanzierung ...190

5.4 Refinanzierung und Verbriefung ...206

5.5 Zwischenfazit: Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion ...214



Kapitel 6

Kreditverknappung als Export- und Stabilitätspolitik - Zur Krise und Verfestigung des deutschen Wachstumsmodells ...217

6.1 Währungspolitik zwischen Export- und Finanzinteressen ...218

6.2 Die Europäisierung der deutschen Stabilitätspolitik ...226

6.3 Wirtschaftspolitik für das deutsche Modell ...230

6.4 Zwischenfazit: Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion ...238



Kapitel 7

Das deutsche Lohn- und Verteilungsregime im Wandel: Kompensation durch Kredit? ...241

7.1 Institutioneller Wandel in den deutschen Arbeitsbeziehungen ...242

7.2 Erwerbsverläufe, Lohnentwicklung und die Rückkehr der Ungleichheit ...247

7.3 Kompensation durch Sparen statt Leihen? ...251

7.4 Zwischenfazit: Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion ...260



Kapitel 8

Die wohlfahrtsstaatliche Konstitution von Sparen und Leihen in Deutschland ...263



8.1 Die fiskalische Förderung von Sparen und Leihen ...265

8.2 Kredit als Mittel der Sozialpolitik? Zum credit/welfare-state trade-off ...275

8.3 Verbraucherschutz und die wohlfahrtsstaatliche Einbettung des Schuldners ...294

8.4 Zwischenfazit: Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion ...301



Kapitel 9

Von der »Mieternation« zur »Eigentümergesellschaft«? Wohnungsmarktpolitik in der alten und neuen Bundesrepublik ...303

9.1 Der deutsche Wohnungsmarkt zwischen Miete und Eigentum ...306

9.2 Der lange Weg in die Eigentümergesellschaft ...311

9.3 Dekollektivierung und Finanzialisierung im Wohnungsmarkt ...321

9.4 Zwischenfazit: Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion ...325



Kapitel 10

Schlussfolgerungen und Ausblick ...327

10.1 Schranken und Triebkräfte der Kreditexpansion: Eine Zusammenschau ...328

10.2 Theoretische Schlüsse ...338

10.3 Nach der Finanzkrise: Neue Wege in die Verschuldung? ...342



Abbildungen ...347


Tabellen ...351


Quellen ...353


Literatur ...355
Die letzten Jahrzehnte waren vielerorts durch einen außerordentlichen Anstieg privater Verschuldung gekennzeichnet, der nicht nur Wachstum und Wohlstand produzierte, sondern auch in die sozialen und ökonomischen Verwerfungen der Finanzkrise mündete. In Deutschland meint man, von diesem "Pumpkapitalismus " nur wenig zu spüren, denn die historisch eigentümliche Schuldendynamik führte in den 2000er-Jahren zu stagnierenden und im internationalen Vergleich geringen Schuldenquoten. Daniel Mertens entwirft das Bild einer gedämpften Finanzialisierung in der vom Export und Sparen geprägten deutschen Ökonomie.
Autor: Daniel Mertens
Daniel Mertens ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Internationale Beziehungen und Internationale Politische Ökonomie der Universität Frankfurt am Main.
Kapitel 1

Einleitung: Privatverschuldung als Gegenstand der Politischen Ökonomie

Selten finden so einschneidende Ereignisse statt, dass in ihrer Folge ganze Forschungshorizonte eröffnet werden. Die Finanzkrise der späten 2000er-Jahre war ein solches Ereignis, und seit den frühen Verwerfungen auf dem US-Hypothekenmarkt gilt vor allem einem Phänomen zunehmende Aufmerksamkeit: der Verschuldung privater Haushalte. Längst ist klar, dass das Schuldenwachstum der vergangenen Jahrzehnte keine US-amerikanische Eigenheit war, sondern zahlreiche Industrieländer erfasst hatte, wo es schließlich zu finanzieller Instabilität einerseits und prekären Bedingungen für soziale Teilhabe andererseits beitrug. Und doch sind die Grundlagen der von Ralf Dahrendorf einst als "Pumpkapitalismus " bezeichneten historischen Phase der Kreditexpansion nur unzureichend verstanden. Nirgendwo lässt sich das besser beobachten als in Deutschland, wo man sich im Vertrauen auf den konservativen privaten Kreditnehmer in der Regel fern wähnt von den turbulenten Immobilien- und Konsumentenkreditmärkten anderer Ökonomien. In der Tat stagnierte die Privatverschuldung in Deutschland im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts durchgängig und hob sich damit deutlich vom internationalen Trend ab. Zugleich stellte diese Entwicklung einen markanten Bruch mit den Jahrzehnten zuvor dar, als die Schulden der deutschen Privathaushalte fast stetig und teils rasant anstiegen. Das vorliegende Buch lädt daher dazu ein, über die Ursachen dieses sonderbaren Verlaufs nachzudenken, indem es private Schulden nicht allein als Ergebnis kultureller Dispositionen betrachtet, sondern als Phänomen, das auf das Engste mit gesellschaftlichen Regelsystemen, politischen Weichenstellungen und wirtschaftlicher Entwicklung in kapitalistischen Ökonomien verknüpft ist. Natürlich nehmen Menschen eigenmächtig Kredite auf, um ein Auto oder eine Wohnung zu kaufen. Sie nutzen ihren Dispositionskredit im Alltag, um Rechnungen zu begleichen, bevor das nächste Einkommen auf dem Konto gutgeschrieben wird. Dennoch ist ihr Handeln als Resultat politökonomischer Zusammenhänge zu verstehen und Ausdruck einer spezifischen Phase kapitalistischer Vergesellschaftung.

In den westlichen Industrieländern belief sich die durchschnittliche Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen und Privathaushalten im Jahr 2010 auf mehr als 300 Prozent der Wirtschaftskraft der Industrieländer, doppelt so viel wie noch 1980, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich errechnet hat (Cecchetti/Mohanty/Zampolli 2011: 5). In diesem Zeitraum entfaltete die private Verschuldung in vielen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Dynamik, die selbst das so viel beachtete Wachstum der öffentlichen Schulden in den Schatten stellte.

Insbesondere ab Mitte der 1990er-Jahre, als viele Staaten ihre öffentliche Verschuldung durch ein Zusammenkommen von rigider Austeritätspolitik und weltwirtschaftlichem Auftrieb zurückfahren konnten, setzte dieses Wachstum ein. Vor diesem Hintergrund ist der private Kredit in den letzten Jahrzehnten zu einer elementaren Säule einiger nationaler Wachstumsregime geworden. Der Soziologe Colin Crouch (2009a, 2010) spricht in diesem Zusammenhang von einem Policy-Regime des privatisierten Keynesianismus, in dem nicht nur die Ausdehnung der Kreditmärkte für mittlere und untere Einkommensbezieher, sondern auch das Wachstum der Finanzmärkte insgesamt institutionell abgesichert wurde. Dieses politisch eingehegte, kreditbasierte Wachstumsmodell unterscheidet sich Crouch zufolge vom keynesianisch-fordistischen Wohlfahrtsmodell der Nachkriegszeit dadurch, dass nicht länger "die Schulden des Staates die Wirtschaft aufrechterhalten", sondern nun "die privaten Schulden des Volkes, [...] das System am Laufen hielten" (Crouch 2010: 121). Demnach verhalfen die Konsum- und Wachstumseffekte einer steigenden Kreditfinanzierung der neoliber

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Rezensionen

Autor: Daniel Mertens
ISBN-13 :: 9783593505008
ISBN: 3593505002
Erscheinungsjahr: 01.08.2015
Verlag: Campus Verlag GmbH
Gewicht: 481g
Seiten: 387
Sprache: Deutsch
Sonstiges: Taschenbuch, 213x144x27 mm, 59 Abbildungen und 20 Tabellen
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