Transnationale Nachhaltigkeitsforschung

Was wir aus den Kontroversen über Umweltflüchtlinge lernen können
 Taschenbuch
Sofort lieferbar  |
 Lieferzeit: 3-5 Tage  
39,90 €

Alle Preise inkl. MwSt.
| zzgl. Versand
 
Obwohl die Fachwelt transnationale Nachhaltigkeitsforschung sehr ernst nimmt, um die lösungsorientierte Auseinandersetzung mit globalen Umweltproblemen zu unterstützen, erschöpft sich die wissenschaftliche Kritik an diesem Forschungszweig oft in Zweifeln an ihrem wissenschaftlichen Gehalt und Anspruch. Auf Basis einer empirischen Untersuchung der Forschungskontroversen über Umweltflüchtlinge veranschaulicht Marie Mualem Sultan die Konsequenzen dieses Widerspruchs, der jeden wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Keim erstickt. Sie entwickelt ein transdisziplinäres Orientierungsmodell, das der wissenschaftlichen Analyse der theoretischen und praktischen Inhalte von transnationaler Nachhaltigkeitsforschung dient.
Inhalt


Danksagung13



Teil I: Problem und Fokus



1 Gehört das zur Lösung oder zum Problem?17

1.1 Widersprüche der Umweltmigrationsforschung17

1.2 Theorie und Empirie des Forschungsdesigns27

1.3 Aufbau und Argumentation41



2 Moderne Wissenschaft und nichtmoderne Probleme44

2.1 Das Dispositiv als Form für Theorie und Praxis45

2.2 Der Natur-Kultur-Dualismus52

2.3 Das Vierfakultätenmodell und die moderne Disziplin72

2.4 Précis zur nichtmodernen Konstellation transnationaler Nachhaltigkeitsforschung88



Teil II: Erkenntnistheorie und Methode



3 Das Modell als Form für Theorie und Praxis93

3.1 Das Modell als Erkenntnistheorie94

3.2 Wissenschaftliche Objektivität108

3.3 Die Matrix anwendungsorientierter Modellbildung118



4 Modelltheoretische Dispositivanalyse142

4.1 Dispositive Lenkung und inhaltliche Ablenkung143

4.2 Grund- und Leitgedanken des Ansatzes147

4.3 Mit der Form zum Inhalt und mit Logik zum Dispositiv150

4.4 Qualitative Bibliometrie156

4.5 Der Dispositivwechselkurs177



Teil III: Empirie und Synthese



5 Soll und Ist transdisziplinärer Umweltmigrationsforschung185

5.1 Die Logik der binären Fronten186

5.2 Die asylpolitische Lesart sozialökologischer Studien209

5.3 Ausgangs- und Standpunkte 224

5.4 Précis zur Kontraindikation der Modellierung binärer Fronten235



6 Das Definitionsproblem239

6.1 Rekonstruktion des Definitionsdilemmas239

6.2 Das Identitätsmodell transnationaler Nachhaltigkeitsforschung268

6.3 Das Impaktmodell sozialphysischer Hybridität284

6.4 Irrtümer über die Frage der Freiwilligkeit298

6.5 Précis zum Problem der Repräsentationsverantwortung323



7 Abschlussdiskussion über das Erhebungsproblem332

7.1 Wertfreiheitskonfusionen des Erhebungsdilemmas333

7.2 Das Werturteilsprinzip der Mathematik342

7.3 Teleologische Desorientierungspotenziale binärer Fronten359

7.4 Moderne Unsicherheiten und nichtmoderne Sicherheiten362

7.5 Der relationale Rationalismus transnationaler Nachhaltigkeitsforschung370



Teil IV: Kritik und Ausblick



8 Lösungsprobleme und Problemlösungen377



Abbildungen385

Abkürzungen387

Literatur388
Obwohl die Fachwelt transnationale Nachhaltigkeitsforschung sehr ernst nimmt, um die lösungsorientierte Auseinandersetzung mit globalen Umweltproblemen zu unterstützen, erschöpft sich die wissenschaftliche Kritik an diesem Forschungszweig oft in Zweifeln an ihrem wissenschaftlichen Gehalt und Anspruch. Auf Basis einer empirischen Untersuchung der Forschungskontroversen über Umweltflüchtlinge veranschaulicht Marie Mualem Sultan die Konsequenzen dieses Widerspruchs, der jeden wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt im Keim erstickt. Sie entwickelt ein transdisziplinäres Orientierungsmodell, das der wissenschaftlichen Analyse der theoretischen und praktischen Inhalte von transnationaler Nachhaltigkeitsforschung dient.
Autor: Marie Mualem Sultan
Marie Mualem Sultan, Dr. phil., arbeitet als Kommunikationsberaterin in Berlin.
1 Gehört das zur Lösung oder zum Problem?

1.1 Widersprüche der Umweltmigrationsforschung

"Dieses Buch richtet sich an die politischen Entscheidungsträger und die Fachöffentlichkeit, um ihnen zu zeigen, dass die Menschen zugleich die Verursacher und die Leidtragenden der Handlungen sind, die zu Umweltzerstörung und Umweltdegradation führen."

Mit diesen Worten erläutert der Umweltwissenschaftler Essam El-Hinnawi die Stoßrichtung seines Forschungsberichts über "Umweltflüchtlinge", den das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) im Jahr 1985 veröffentlichte. Diese Publikation gilt als internationaler Auftakt einer breiteren wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Umweltwandel und erzwungener Migration, wobei seit der Veröffentlichung des ersten Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) im Jahr 1990 immer häufiger auch der Bezug zu einem anthropogenen Klimawandel hergestellt wird. Die transnationalen Forschungskontroversen über umweltbedingte Flucht und Migration sind der Untersuchungsgegenstand dieser Studie; genauer gesagt die wissenschaftlichen Probleme dieser Umweltmigrationsforschung.

Das Eingangszitat eignet sich als Vorlage, um an die Widersprüche heranzuführen, die die vorliegende Studie dazu veranlassten, anders als geplant nicht sozialökologische Fluchtphänomene und Vertreibungen, sondern die wissenschaftliche Beschäftigung damit zu erforschen. Aber die nachstehende Skizze dieser Widersprüche erklärt nicht nur diesen Perspektivenwechsel, sondern sie trägt auch etwas zum Verständnis bei, wieso das im Anschluss zu erläuternde Untersuchungsdesign sowohl empirische als auch theoriebildende Ambitionen umfasst und wieso darin von Forschungsdispositiven und von dem Versuch die Rede sein wird, am Beispiel der Umweltmigrationsforschung ein Modell der "nichtmodernen" Theorie und Praxis transnationaler Nachhaltigkeitsforschung zu entwickeln, das zu einem anderen Blickwinkel auf die verschiedenen darunter gefassten Forschungsgebiete beitragen soll.

Nach der Veröffentlichung von El-Hinnawis UNEP-Bericht dauerte es noch etwa bis zur UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung im Jahr 1992 in Rio de Janeiro, bis sich die wissenschaftliche Analyse von Umweltvertreibungen und durch Umweltwandel erzwungenen Migrationen als eigener Forschungsschwerpunkt etabliert hatte. Ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre erreicht das Publikationsaufkommen schließlich ein Niveau, das die Rede von einer transnationalen Umweltmigrationsforschung angemessen erscheinen lässt. Seither hat sich das akademische Interesse sowohl an Umweltmigration als auch an der Umweltmigrationsforschung immer weiter vergrößert, und dieser Trend scheint sich bis in die Gegenwart weiter fortzusetzen.

Immer mehr Intellektuelle veröffentlichen Beiträge über Umweltflüchtlinge und Klimamigration und über die wissenschaftlichen Debatten über Umweltflüchtlinge und Klimamigration. Allerdings ging mit diesem im-mensen wissenschaftlichen Interesse kein ebenso immenser Erkenntniszuwachs einher. Der Bestand an Forschungswissen über umweltbedingte Flucht und Migration scheint vielmehr in dem Maße zu schrumpfen, in dem sich die wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhöht.

El-Hinnawi gab im Jahr 1985 als Zweck seines UNEP-Berichts an, Wissenschaft und Politik für die sozialökologischen Wechselwirkungen hinter der Umweltflucht interessieren zu wollen, von denen er demnach etwas zu wissen beanspruchte. Heute besteht in der Tat ein großes wissenschaftliches Interesse am Thema, aber der Tenor der State-of-the-Art-Beiträge lautet immer öfter: "'Wir wissen, dass wir nichts wissen'". Diese eigentümliche Kluft zwischen wachsendem Interesse und schwindendem Wissen resümiert prägnant die nachstehende Darstellung aus dem Jahr 2011:

"Der Klimawandel hat sich zu einer Hauptsorge der internationalen Gemeinschaft entwickelt. Unter den diskutierten Konsequenzen erhält insbesondere die Frag

Zu diesem Artikel ist noch keine Rezension vorhanden.
Helfen sie anderen Besuchern und verfassen Sie selbst eine Rezension.

 

Rezensionen

Autor: Marie Mualem Sultan
ISBN-13 :: 9783593504858
ISBN: 3593504855
Erscheinungsjahr: 01.07.2015
Verlag: Campus Verlag GmbH
Gewicht: 492g
Seiten: 403
Sprache: Deutsch
Sonstiges: Taschenbuch, 213x141x27 mm, 38 Abbildungen in s/w
Google Plus
Powered by Inooga